Puzzleteile 1

Ich dachte mir, gerade für Wochen, in denen ich keinen erzählenswerten Ausflug oder ähnliches mache, führe ich diese neue Kategorie ein. Puzzleteile soll Eindrücke beschreiben, die ich hier in meinem täglichen Leben sammele.

Die Müllsammlerin

In China funktioniert Abfallentsorgung etwas anders als bei uns. Für das Gebäude, in dem ich wohne (mit 33 Stockwerken und 15 kleinen Wohnungen pro Etage nicht gerade klein) gibt es insgesamt nur 4 Mülltonnen, die vor der Haustür stehen (zumindest habe ich anderswo noch keine gesehen). An sich besteht die Trennung zwischen recycable und unrecycable. Inwieweit sich daran gehalten wird, steht auf einem anderen Blatt. Die Mülleimer scheinen aber nie zu voll zu werden und das liegt an einer kleinen, bestimmt über siebzigjährigen Frau, die ich von frühmorgens bis Spätabends in unserem Compound sehe.

Unablässig durchsucht sie den Abfall nach Materialien, die man weiterverkaufen kann – Pappe, leere Plastikflaschen, Glas, Aluminium. Sie fährt ein kleines Tuk-Tuk ähnliches Gefährt, dass sie damit belädt. Ihren Ehemann habe ich auch schon dabei gesehen. Manchmal ist sogar die kleine Enkelin im Kinderwagen mit dabei.

Was mich so unglaublich überrascht, ist die Herzlichkeit mit der sie mich jedes Mal bedenkt. Sie lächelt mich an, grüßt, winkt. Ich habe allgemein die Chinesen als ein sehr gastfreundliches Volk wahrgenommen, aber besonders in diesem Fall bin ich immer wieder berührt. Dass jemand, die so eine harte Arbeit ausführen muss, um über die Runden zu kommen, immer noch so viel Freundlichkeit und ein Lächeln für ihre Mitmenschen übrig hat. Dass sie nicht verbittert ist an ihrem Schicksal.

 

Personal Space

Wie ich schon sagte, besteht mein Gebäude aus vielen kleinen Wohnungen. Jede so groß wie meine eigene, ca. 20 Quadratmeter. Für mich alleine ist das ganz gemütlich. Ich könnte mir aber nicht vorstellen hier mit einem Partner oder sogar einer Familie geschweige denn einem Familienhund dazu zu leben. Ich sehe viele kleine Kinder mit Müttern im Aufzug. Teilweise haben sie ihren Hund dabei. Neben mir wohnt eine Frau, die einen Golden Retriever hat. Als meine Chinesischlehrerin, das erste mal zu mir kam, war sie vollkommen überrascht, dass ich ganz alleine in der Wohnung lebe.

Es ist hier üblich, dass die Eltern des Mannes mit einem Ehepaar und dessen Kindern zusammenleben. Die Großeltern kümmern sich häufig um die Kinder oder auch um den Haushalt. Dafür sorgen die Jungen für die Alten, wenn sie Schwierigkeiten haben, alleine zu leben. Das Zusammenleben ist viel enger als ich es aus Deutschland kenne. Es scheint die meisten nicht zu stören. Allgemein habe ich das Gefühl, dass hier gerne in der Gruppe etwas unternommen wird. In Restaurants sieht man selten einzelne Personen. Wenn ich erzähle, dass ich vorhabe allein zu reisen, ernte ich erstaunte Blicke. Die Gemeinschaft hat einen viel höheren Stellenwert.

 

Delikatessen

Dass es hier leckeres Essen gibt, ist aus meinen vorherigen Beiträgen glaube ich schon hervorgegangen. Aber natürlich bedarf es wieder einmal ein paar Bilder:

Was man auf den Bildern von den vegetarischen Gerichten natürlich nicht sieht – in China findet eine ganzheitlichere Verwertung von Fleisch statt. Während in Deutschland vornehmlich Filet gegessen wird, wird hier alles vom Tier verwertet. Und nicht nur verwertet, sondern in besondere Gerichte verwandelt. Von Hühner- und Entenfüßen, Kuhmagen, Hasenkopf bis hin zu Entenzunge (besondere Spezialität) kann man hier alles bekommen. Und wer mal einen kleinen Snack für zwischendurch braucht, der kann sich so etwas besorgen:

Nächste Woche geht es auf die erste kleine Reise – in das zwei Stunden Schnellzugfahrt entfernte Suzhou, das aufgrund seiner Kanäle und alten Gebäude auch als Venice of the East bekannt ist und deren Hauptsehenswürdigkeiten die vielen noch aus dem Mittelalter stammenden Gärten und Parks sind. Mit ca. 1,5 Millionen Einwohnern mal erfrischend klein im Vergleich zu Hefei 😀

 

 

 

Tee, staubige Straßen und Mondgöttinnen

Ich komme gerade aus einem langen Wochenende 🙂 Dieses Wochenende, genauer gesagt am Montag war das Mid-Autumn Festival. Die Legende dazu besagt, in kurzer Form, dass eines Tages zehn Sonnen auf die Erde herabschienen und drohten alles zu verbrennen. Ein Mann, der ein ausgezeichneter Bogenschütze war, schoss neun der Sonnen vom Himmel und erhielt von den Göttern zur Belohnung das Elixier der Unsterblichkeit. Nun gibt es verschiedene Versionen, warum seine Frau das Elixier trank – ob um einen Räuber davon abzuhalten, es zu stehlen oder weil ihr Mann zu einem Tyrann geworden war, auf jeden Fall trank sie es und stieg auf zum Mond, um fortan dort zu leben. Wen die Geschichte genauer interessiert, es gibt sehr viel im Internet dazu zu finden.

Auf jeden Fall gilt das Mid-Autumn Festival als Tag der Familienzusammenkunft. Sehr bekannt sind die sogenannten Mooncakes, kleine Kuchen, die mit allem möglichen gefüllt sind – Bohnenpaste, Eier oder sogar Fleisch – die an diesem Tag gegessen werden.

Ich habe von den Feierlichkeiten nicht sehr viel mitbekommen – es ist eben ein Familienfest, das zuhause gefeiert wird. In meinem Compound hatten 2/3 aller Geschäfte und Restaurants zu – was ich bisher noch nie erlebt habe.

Trotzdem habe ich am Wochenende einiges erlebt:

Am Samstag war ich im „alten“ Downtown von Hefei (also alt bedeutet, das was vor 10-15 Jahren mal das Zentrum war und was sich jetzt mehr in Richtung der Malls am Swan Lake verlegt hat). Bisher war ich nur abends dort gewesen und mit den vielen Lichtern hatte es einen sehr schönen Eindruck gemacht. Tagsüber wirkte es nicht mehr ganz so romantisch – es war sehr staubig und laut, die großen Straßen viel stärker befahren. In den kleinen Gassen sah man eine ganz andere Seite von China als das der riesigen, modernen Malls. Hühner wurden in Käfigen vor Restaurants gehalten, in winzigen Werkstätten wurde repariert, die Restaurants waren oft nicht mehr als ein schmaler Gang mit ein paar Plastik-Hockern. Dass ich überall angestarrt wurde, brauche ich wohl gar nicht weiter zu erwähnen. Die Kontraste in dieser Stadt erstaunen mich immer wieder.

Chinesen scheinen übrigens  Pflanzen zu lieben – ob in Geschäften, Restaurants oder sogar in öffentlichen Bussen – sie sind überall zu finden.

Am Sonntag war ich mit einem Kollegen und dessen Partnerin in einer Tea Mall. Wie der Name schon sagt, wird hier tatsächlich nur Tee verkauft. Auf den vier Etagen reiht sich ein Teegeschäft ans nächste, leider waren etwa zwei Drittel geschlossen, als wir da waren. Aber im Grunde genommen, hat ein Teegeschäft schon gereicht. Das tolle hier ist, dass man nicht nur die verschiedensten Sorten Tee kaufen, sondern auch probieren kann. Außerdem kann man sämtliches Teezubehör kaufen, was man sich vorstellen kann – Teeservice, Teekannen, Teebecher für unterwegs…

Am Ende habe ich dann für 30 Euro Tee gekauft – 2 mal 100g und eine Dose Jasmin Blüten. Für guten Tee kann man hier genauso viel ausgeben wie in Deutschland. Da man den Tee aber bis zu viermal aufgießen kann, sollte mir mein Vorrat für meine restliche Zeit hier auf jeden Fall reichen 🙂

Der Montag war bei mir ein ruhigerer Tag mit viel Lesen (ich habe hier schon 8 Bücher gelesen und mir mangels der Möglichkeit Englische Bücher zu kaufen, nun doch einen E-Book Reader zugelegt). Abends war ich dann mit Kollegen in einer Bar.

Nebenbei lerne ich fleißig Chinesisch, auch wenn der Fortschritt langsamer ist, als ich mir wünsche… Es ist wirklich mit Abstand die schwierigste Sprache, die ich je gelernt habe. Aber kleine Erfolgserlebnisse – wie zum Beispiel Essen in einem Restaurant bestellen zu können ohne nur auf etwas zu zeigen – ermutigen einen schon sehr 🙂

Impressionen

Dieses Wochenende habe ich ein wenig meine unmittelbare Nachbarschaft erkundet. Das hier sind ein paar Eindrücke, die ich dabei gewonnen habe:

Das Bild wurde aufgenommen im Grand Park, ein paar hundert Meter von meiner Wohnung entfernt. Es ist ein netter kleiner Park, der wohl viel für Hochzeiten genutzt wird. Besonders spektakulär fand ich hier das Riesenrad im Hintergrund, dass auf dem Dach eines sich im Bau befindlichen Einkaufszentrums steht.

Man hat von hier aus auch einen guten Blick auf meine Wohnanlage.

Und einen Rosengarten gibt es hier auch:

Diese Straße befindet sich auf der anderen Seite meines Compounds, nur etwa 200 Meter entfernt. Man denkt nicht, dass man so eine Szenerie mitten in einer Großstadt finden könnte.

Den Namen der Bank fand ich ganz witzig:

Und, was das ist, möchte ich gar nicht so genau wissen…

Und natürlich kommen jetzt noch ein paar obligatorische Bilder vom Essen 😀

Letzte Woche konnte ich auch endlich mal chinesische Nachtische probieren. Das erste erinnert an „Glutinous Rice Balls“ aus Vietnam. Der Teig ist eine zähe Masse aus Reis, die Füllung ist süß und mit Zimt. Sehr, sehr lecker. Das zweite war etwas gewöhnungsbedürftig. Ich weiß gar nicht, aus was die weiße Masse ist, die Soße ist aus irgendwelchen Beeren und sehr süß. Das ganze hatte einen merkwürdigen Nachgeschmack, deshalb hab ich nicht allzu viel davon gegessen.

Dann noch zwei Hauptspeisen, beides sehr gut 🙂

Das erste ist Rührei mit Tomaten, viel Knoblauch und Frühlingszwiebeln. Eine riesige Portion 😀 Das zweite war in meinem Lieblingsrestaurant und ist Pak Choi und Pilze gebraten auf Reis und dazu gab es Bohnen (ich glaube) mit Chili.

Langsam kühlt es hier ab, wie man auf den Bildern erkennen kann, war es gestern auch ziemlich neblig. Ich musste bis jetzt aber noch nicht einmal nachts etwas langärmliges anziehen.

 

Blackout

Als ich gestern bei meinem Compound ankam, merkte ich gleich, dass etwas komisch war. Die Fassade der Häuser war dunkel, in den Läden und Restaurants im Erdgeschoss brannte kein Licht. Es war circa halb 9 und hier wird es schon zwischen 6 und 7 dunkel. Nur in den Gängen gab es schummriges Licht – die Notbeleuchtung nehme ich an. Die Anzeige an den Aufzügen war erloschen. Ein paar Leute standen telefonierend davor. Stromausfall. Ich war einfach nur froh, dass ich nicht im 33. Stock wohne und die letzten Tage jeden Tag einmal die Treppen (216 Stufen) in den zwölften Stock gelaufen war. Immerhin war das Treppenhaus jetzt beleuchtet. Normalerweise gibt es hier kein Licht. Gut zu wissen, dass für den Notfall gesorgt wurde.

Die Wohnung war natürlich ebenfalls komplett dunkel. Aus dem Fenster konnte ich sehen, dass auch in ein paar der benachbarten Häusern kein Licht brannte. Vielleicht ein Problem an einer Trafostation? Auf meine innere Einkaufsliste setzte ich erst einmal Kerzen und Feuerzeug. In so einer finsteren Wohnung kann man nicht sonderlich viel machen. Ich war froh über meine Powerbank – der Akkustand von meinem Handy war schon recht niedrig. Trotz geöffneten Fensters war es schwül und stickig. Das Wasser war ebenfalls weg – irgendwie muss das ja auch nach oben gepumpt werden.

Von einem Kollegen, der auf einer chinesischen Webseite nachgeschaut hatte, die wohl Störungen dieser Art verzeichnet, erfuhr ich schließlich, dass es wohl Bauarbeiten gab, die das Abschalten des Stroms nötig machten. Angegeben war ein Zeitraum bis Mitternacht. Ich schien aber nicht die einzige zu sein, die das überraschte. Mein Vermieter wusste auf Nachfrage auch nicht, was los war.

Etwa eine Stunde, nachdem ich heimgekommen war, ging der Strom zum Glück wieder an.

Mir ist in dieser kurzen Episode klar geworden, wie selbstverständlich ich eine stabile Stromversorgung immer genommen hatte. Vielleicht kennt einer von euch den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg, in dem die Auswirkungen eines europaweiten Stromausfalls beschrieben werden (sehr empfehlenswertes Buch). In einer Stadt wie Hefei, in der ein normales Wohnhaus mindestens 33 Stockwerke hat (auch 50 sind keine Seltenheit), wäre das sogar noch eine viel größere Katastrophe. Auch die Tatsache, dass mittlerweile fast alle Zahlungen elektronisch mit dem Handy getätigt werden, wäre sofort ein Problem.

Ich werde jetzt auf jeden Fall immer dafür sorgen, dass ich genug Wasser und Essen für ein, zwei Tage in der Wohnung habe und dass meine Powerbank für den Fall voll geladen ist 🙂

Das war Woche 2

Einigen ist es vielleicht aufgefallen, dass ich keine chinesische Überschrift mehr habe. Ich habe es versucht, aber irgendwie werden die Zeichen nicht richtig dargestellt auf der Seite. Bis mir was eingefallen ist, erst einmal nur auf Deutsch.

Am Wochenende habe ich den wichtigsten Einkauf bis jetzt in Hefei gemacht. Ja, sogar noch wichtiger als das Kleid letzte Woche 😀 Ich habe mir endlich eine Auflage für meine Matratze gekauft. Die Matratze – nun ja, anders als ich befürchtet habe, handelt es sich sogar um ein gut gefedertes Exemplar. Allerdings wurde dann an der Außenhülle, also der Polsterung um die Federn und das Drahtgitter herum, ziemlich gespart. Und so fühlte ich beim Schlafen JEDE EINZELNE Feder und JEDEN Draht. Ich habe erst richtig gemerkt wie furchtbar das war, als ich die Auflage aufgelegt hatte und einfach himmlisch geschlafen habe 😀 Natürlich erschwert das dann aber das Aufstehen am Morgen… 🙂

Die Auflage habe ich in der Metro gekauft – es handelt sich um die gleiche Kette wie in Deutschland. Allerdings ist der Laden hier nicht auf so große Mengen spezialisiert wie in Deutschland. Stattdessen gibt es jede Menge importierter Produkte. Ein Schlaraffenland für eine in der Ferne lebende Deutsche. Es gibt dort Lindt Schokolade und Rittersport, eine riesige Auswahl an importierten Weinen, europäische Kekse, Dr. Oettker Tiefkühlpizza und, was ich dann letztlich nicht widerstehen konnte – Käse. Käse ist in China ein exotisches Lebensmittel. In den normalen Supermärkten gibt es ihn nicht zu kaufen. Da er hier so wenig gegessen wird, muss er importiert werden und ist entsprechend auch deutlich teurer als in Deutschland. Ich habe für ein 200g Stück Kerrygold Cheddar 4,50 Euro bezahlt. Aber ich teile ihn mir gut ein und gönne mir jeden Abend ein kleines Stückchen. Käse war tatsächlich das einzige, was ich bis jetzt an deutschem Essen vermisst habe 🙂

Jetzt bin ich also schon über zwei Wochen hier… die Zeit ist wirklich schnell vergangen.  Langsam fühle ich mich in Hefei richtig zu Hause.

Meine Wohnung hat jetzt sogar ihre erste Topfpflanze. Am Sonntag war ich mit einer Kollegin auf dem Blumenmarkt. Man kann sich das vorstellen wie ein Viertel, dass nur aus lauter Gärtnereien verschiedener Größe besteht. Außer Pflanzen kann man hier auch Übertöpfe, Erde, Gras und Kunstblumen kaufen. Bei so einer riesigen Auswahl war die Entscheidung natürlich nicht leicht. Am Ende habe ich dann diese Pflanze mitgenommen:

Der Blumenmarkt

Außerdem habe ich an dem Tag auch die zwei großen Museen der Stadt besucht. Eines davon ist der Geologie und Frühgeschichte gewidmet, das andere der chinesischen Geschichte und Kultur. Erstaunlicherweise war das geologische Museum richtig voll und zwar hauptsächlich mit Familien. Ich habe selten so viele Kinder in einem Museum gesehen. Man muss auch sagen, die Gestaltung war sehr ansprechend. Neben großen nachgebauten Landschaften mit Dinosauriern gibt es auch interaktive Displays und, nicht zu vergessen, jede Menge Automaten mit Essen. Von Popcorn über frischgepressten Saft kann man da alles holen.

Das Kulturmuseum war etwas mehr, wie man sich in Deutschland ein Museum vorstellt. Es war weniger voll und laut mit mehr traditionellen Schaukästen und Gemälden. Ganz habe ich es nicht geschafft. Das Museum erstreckt sich über fünf Etagen. Aber der Eintritt ist kostenlos, also kann ich irgendwann weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Und zum Schluss noch einmal etwas zu essen 😀 War lecker aber ein bisschen arg scharf…

 

Ein Tag in Hefei

Jetzt bin ich schon die zweite Woche hier und ich wurde gefragt, wie ein Tag bei mir so aussieht.

Also: Ich stehe zwischen 7 Uhr und 7:30 Uhr auf, mache kurz Yoga und frühstücke dann. Zum Frühstück gönne ich mir den Luxus von Müsli mit Milch, was hier teurer ist als in Deutschland. Eine 500g Packung Cheerios kostet ca. 4,50 Euro, eine 1 kg Packung Oatmeal in etwa dasselbe. Ein Liter Milch liegt in etwa bei 2 Euro. Sonst vermisse ich das europäische Essen bis jetzt noch gar nicht, aber ich brauche mein Müsli zum Frühstück 🙂

Anschließend dusche ich mich. Wie in vielen asiatischen Ländern gibt es keine Duschkabine oder eine Badewanne, in meinem Fall auch keinen Duschvorhang, was bedeutet, dass danach erst einmal das ganze Badezimmer unter Wasser steht. Ich habe mir mittlerweile ein Handtuch als provisorische Badematte gekauft, die ich vor die Tür gelegt habe, so dass ich nicht auch noch das ganze Wohnzimmer nass mache, wenn ich aus dem Bad komme.

Nach dem Anziehen mache ich mich auf den Weg nach unten zum Bus. Das Haus hat 33 Stockwerke und 4 Aufzüge, dass heißt morgens ist immer ganz schön was los. Im Moment funktioniert nur ein einziger der Aufzüge, was bedeutet, dass es oft schneller ist, wenn ich die 12 Stockwerke nach unten laufe. Das Treppenhaus sieht so aus, also würde es sich noch im Rohbau befinden, alles nur aus Beton, ohne Verputz und Anstrich. Zudem ist es recht dunkel, weil es keine Fenster besitzt und nur Licht in größeren Abständen und klimatisiert ist es natürlich auch nicht. Also aufwärts benutze ich dann doch lieber den Aufzug, auch wenn ich mal ein bisschen warten muss 🙂

Blick auf meine Wohnanlage

Ich komme um kurz vor 9 Uhr auf der Arbeit an und gegen 18 Uhr wieder zurück. Nach der Arbeit unternehme ich manchmal etwas mit Kollegen, in der Regel irgendwo etwas essen oder trinken gehen. Es gibt eine nette Expatbar hier, wo man für 4,50 Euro eine super leckere Pizza bekommt. Cocktails kosten etwa 3 Euro.

Wenn ich abends nicht mit Kollegen unterwegs bin, esse ich in meiner Wohnanlage. Ich habe einen netten kleinen Nudelladen entdeckt, in dem ich in meinem bruchstückhaften Chinesisch bereits geschafft habe, zwei verschiedene vegetarische Nudelsuppen zu bestellen. Ich glaube, ich bin die erste Europäerin, die je dort gegessen hat, mir werden immer noch interessierte Blicke zugeworfen, aber die Besitzerin kennt mich mittlerweile und freut sich jedes mal, wenn ich sage, wie gut es mir geschmeckt hat.

Der Compound bei Nacht

Abendessen 🙂

Ansonsten lese ich viel, bin jetzt schon bei meinem dritten Buch und spiele Spiele auf meinem Laptop. Das ist alles etwas improvisiert, weil ich nur einen niedrigen Glascouchtisch habe, also setzte ich mich immer davor auf den Boden, wenn ich etwas an meinem PC mache. Dazu fallen natürlich auch Tätigkeiten wie Waschen an, was immer ein kleiner Kampf ist, weil meine Waschmaschine mittlerweile immer das halbe Wohnzimmer überflutet und ich gar nicht schnell genug, das Wasser aufwischen kann. Das soll aber heute behoben werden. Kochen tue ich hier eigentlich gar nicht, dazu ist essen gehen einfach viel zu günstig (eine Suppe in meinem Nudelladen kostet 1,50 Euro). Außerdem ist meine Küche recht klein und bietet nur wenig Stauraum, weswegen ich mich bisher nur mit dem Nötigsten an Geschirr eingedeckt habe.

Am Wochenende war ich in einer der großen Malls shoppen und konnte mich nicht zurückhalten dieses Kleid zu kaufen 🙂

Was mich wirklich erstaunt hat, ist dass es in dieser riesigen 6-geschossigen Mall keinen einzigen Geldautomaten gibt. Alle bezahlen hier mit WeChat oder AliPay, Bargeld ist wohl eher die Ausnahme geworden. Meine deutsche Kreditkarte wird in den Läden aber auch nicht akzeptiert, weshalb ich von der Verkäuferin zum Center-Management begleitet wurde, die tatsächlich ein Terminal für ausländische Kreditkarten besitzen… Sehr umständlich hier Geld auszugeben 😀

Alltag

Diesmal ein langweiliger Eintrag ohne Bilder: Ich dachte ich erzähle mal ein bisschen, wie es so ist in Hefei zu leben.

Fangen wir mal an mit dem Wetter 🙂

In den letzten Tagen sind die Temperaturen wieder gestiegen und wir haben eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit, das heißt man fängt an zu schwitzen, sobald man das Haus verlässt – egal ob das frühmorgens oder in der Nacht ist. Es gibt zum Glück fast überall Klimaanlagen, aber das macht den Unterschied zwischen innen und außen natürlich noch größer. Es fühlt sich fast so an, als würde man gegen eine Wand laufen, sobald man nach außen geht. Obwohl es so schwül ist, hat es noch nicht wirklich geregnet. Es ist zwar häufig bewölkt, aber Gewitter gab es bis jetzt keine. Die Einheimischen scheinen generell etwas unempfindlicher dem Wetter gegenüber zu sein. Die Männer tragen immer lange Hosen, aber wenn sie unter sich sind rollen die Arbeiter außen auch mal das T-Shirt bis zum Bauch nach oben. Die Frauen tragen von Hotpants über Kleider und Röcke bis zu langen Hosen fast alles, ich würde aber trotzdem sagen, sie halten sich mehr bedeckt als wir es in Deutschland tun würden. Wie manche Menschen bei den Temperaturen Joggen oder weite Strecken mit dem Rad fahren können, ist mir unbegreiflich…

Durch meine Kollegen komme ich dazu, jeden Tag ein anderes chinesisches Gericht zu probieren. Auch wenn es viele Chinesen erstaunt, dass ich kein Fleisch esse, findet sich doch immer etwas leckeres für mich. Gestern zum Beispiel habe ich eine Nudelsuppe mit Erdnüssen und Tomaten-Rührei oben drauf gegessen, für umgerechnet 1,20 Euro. Natürlich kann man hier auch deutlich hochpreisiger essen, es gibt hier unzählige Shopping-Malls, die essenstechnisch für jeden Geldbeutel etwas zu bieten haben. Es gibt dort auch jede Menge westliche Marken von Calvin Klein, Adidas, Puma und H&M bis hin zu Zara Living und Gabor. Am faszinierensten fand ich bis jetzt die Eislaufbahn mitten in einem Einkaufszentrum.

Ein weiterer interessanter Punkt sind die Taxis. Um ein Taxi zu rufen, muss man dem Fahrer zuwinken. An besonders gut besuchten Orten endet das dann aber mehr in einem mit ausgestrecktem Arm auf die Straße springen, um den anderen Wartenden zuvor zu kommen. Da bin ich noch etwas verloren dabei 🙂 Das positive bei den offiziellen Taxen hier ist, dass es kein Handeln um den Preis gibt. Alle benutzen ein Taximeter und der Preis ist im Vergleich zu Deutschland extrem niedrig. Für eine Strecke von 5-6 Kilometern zahlt man in etwa 2,50 Euro. Allerdings verstehen fast alle Fahrer kein Englisch und man muss seine Adresse irgendwo aufgeschrieben haben und hoffen, dass der Fahrer auch weiß, wo es ist. Gestern wurde ich 5 Kilometer in die falsche Richtung gefahren, bis ich zum Glück auf die Idee kam, meinen Standort in Baidu Maps zu überprüfen, und ihm dann mit Händen und Füßen klarmachte, dass das nicht war, wo ich hinwollte. Dann wurde erst deutlich, dass der Fahrer überhaupt keine Ahnung hatte, wo sich gewünschte Adresse befand. Also aussteigen, neues Taxi, nächster Versuch.

Busse sind sogar noch günstiger als Taxis. So wie ich das verstanden habe zahlt man in jedem Bus einfach eine Gebühr von 2 Yuan, also circa 30 Cent und darf dann bis zum Ende der Strecke mitfahren. Der Nachteil an den Bussen ist allerdings, dass ich bis jetzt noch keinen Fahrplan finden konnte und man sich einfach auf gut Glück an die Haltestelle stellen muss.

In meiner Wohnung habe ich mich schon ganz gut eingelebt. Das einzige, was ich nach wie vor nicht so toll finde ist die Matratze auf meinem Bett, bei der man, wenn man darauf liegt, jede einzelne Feder spürt. Ich habe aber gehört, es gibt da Auflagen dafür – da werde ich mir noch etwas besorgen. Viel Zeit verbringe ich sonst ohnehin nicht in der Wohnung. Ich war bis jetzt jeden Abend nach der Arbeit bis mindestens 21 Uhr unterwegs. Langweilig ist mir hier also nicht 🙂

Dass ich immer von allen angeschaut werde, nehme ich schon nicht mehr so stark wahr 🙂

Ich hatte einige Bedenken vor der Reise vor allem bezüglich Heimweh, aber die wurden alle zerstreut. Ich fühle mich so unglaublich wohl hier und freue mich auf das nächste halbe Jahr.

Wie bitte?

Jetzt bin ich erst drei Tage in China aber es fühlt sich an wie drei Wochen. Am Samstag Nachmittag ist mein Flugzeug in Hefei gelandet. Im ganzen Flugzeug waren insgesamt nur zwei Europäer – eine davon ich. Ich saß neben einer Mutter mit ihrer vielleicht fünf Jahre alten Tochter, die mich, abgesehen von der Zeit, in der sie etwas gegessen hat, ständig neugierig angestarrt hat. Ich nehme an, es lag unter anderem an den Haaren 🙂

Angekommen in Hefei- mein erster Eindruck: Die Stadt ist groß. Wirklich groß. Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt dauert 45 Minuten. 8 Millionen Menschen müssen irgendwo leben, also säumen Wohnblocks die Straße. Jeder davon mindestens 30 Stockwerke hoch, c.a. 15 Wohnungen pro Stockwerk und immer in Gruppen von 10-15 Häusern. Die dominante Farbe ist ein mattes Braun, dazwischen Stahlgrau und Glas. Die Straßen haben mindestens drei Spuren in jeder Richtung, die Hupe ist hier das meist genutzte Instrument. Motorräder fahren auf den Gehwegen – man muss also aufpassen, besonders bei E-Scootern, die man erst bemerkt, wenn sie an einem vorbei düsen.

In einem matt braunen Wohnblock im zwölften Stock wohne ich. Die Wohnung ist etwa 20 Quadratmeter groß, hat eine kleine Küche, ein etwas größeres Bad und ein erstaunlich großes Bett. Und noch viel wichtiger- eine Klimaanlage. Da sie nur möbliert ist, aber nicht eingerichtet, war ich am Wochenende erst einmal damit beschäftigt Geschirr, Kissen und Decke für das Bett, Putzzeug, Handtücher etc. zu besorgen. Mittlerweile finde ich es schon recht gemütlich.

Englisch spricht hier auf der Straße und in den Läden so gut wie niemand. Das chinesische Wort, was ich hier am häufigsten gebrauche ist „shénme“ also „wie bitte?“. Auch wenn das meistens nicht hilft, da mein Chinesisch auch nicht gut genug ist, um die Antwort zu verstehen 🙂 Aber irgendwie hat doch alles geklappt, ich habe eine Simkarte, Internet in der Wohnung und konnte meinen Kühlschrank auffüllen.

Woran ich mich nicht so ganz daran gewöhnt habe, ist, wie viel ich angestarrt werde. In den ersten beiden Tagen, bevor ich mich mit ein paar Expats aus der Firma getroffen habe, habe ich keinen einzigen anderen Europäer gesehen. Ich schätze mal, eine Europäerin mit kurzen roten Haaren ist dann schon eine kleine Attraktion. Auf jeden Fall folgen mir die Blicke, wohin ich auch gehe… Ich werde aber auch häufig freundlich neugierig angelächelt – das Starren ist wohl nicht böse gemeint.

Das Wetter ist warm und feucht, aber zum Glück sind alle Innenräume und Fahrzeuge klimatisiert.

Insgesamt gefällt es mir gut hier – natürlich an einiges muss ich mich erst gewöhnen, zuallererst mal an die andere Zeitzone. Ich habe heute morgen fast verschlafen und den Bus verpasst – zum Glück nur fast, gleich am ersten Tag zu spät kommen, macht bestimmt keinen guten Eindruck. Sonst kommt mir meine Südostasien Erfahrung zugute – China ist zwar anders aber mache Sachen sind doch ähnlich.

Heute Abend war ich dann auch endlich das erste Mal authentisch chinesisch essen. Ich war mit mehreren Kollegen unterwegs und wir haben an einem runden Tisch gegessen, in der Mitte eine riesige Drehplatte mit mehreren gemeinsamen Gerichten. Hier nur drei Beispiele. Das erste sind Kräuter mit Tofustücken, das zweite Kürbisstreifen mit Chilli und das dritte Aubergine mit Bohnen.

Ich bin gespannt, was noch alles passiert 🙂

 

Los geht’s!!/ 走吧

Jetzt  sind es nur noch zwei Tage, Koffer sind gepackt und es kann losgehen 🙂

Hoffen wir mal, dass ich mein ganzes Gepäck auch tragen kann 😀

Ich werde meine Überschriften von jetzt auch immer in Chinesisch schreiben, so dass ihr einen Eindruck bekommt, wie das so aussieht. Unten schreibe ich immer noch die Zeichen in Pinyin, das ist die chinesische Lautschrift. Wen es interessiert, wie genau das ausgesprochen wird, es finden sich im Internet viele „Anleitungen“ für Pinyin =)

走吧 = zǒu ba